Das läuft dann auch
Kleine feine Fernsehserien abseits des Mainstreams, aber im Privatfernsehen ausgestrahlt - das muss kein Widerspruch sein. Dank einer breiten Fanbasis hat es Ralf Husmanns deutsche Version von "The Office" inzwischen in die bereits 5. Staffel geschafft. Husmanns Eigenkreationen "Dr. Psycho" und "Der kleine Mann" waren dem "Cobra 11"-abgestumpften Publikum dann zwar zu speziell, aber der Autor schafft es bei seiner Serie "Stromberg" nach wie vor, trockenen Humor ohne Vorschlaghammer ins Unterschichtenfernsehen zu schmuggeln.
Derzeit tourt Husmann mit Christoph Maria Herbst und Bjarne Mädel durch auserlesene Kinos und stellt die ersten vier Folgen der neuen Staffel vor.

Und gleich die erste Episode erinnert an frühere Zeiten, als die Welt in der Capitol-Versicherung noch unter der Inkompetenz Bernd Strombergs litt. Wunderbar. Auch wenn der Humor etwas ans breite Publikum angepasst wurde und sich die Schlagzahl der Slapstick-Sequenzen leider erhöht hat. Aber ohne diese wären die neuen Folgen wohl kaum entstanden, also schluckt man diese Pille, die ohnehin nicht zu bitter ist.

Auffallend: die aufdringlich hohe Screentime der Milchreis-Becher, die nun pandemieartig das komplette Set bevölkern und thematisiert werden ("Hmmm, Erdbeer!") oder die auf myspass.de bestellbaren Schaumstoff-Pömpel-Plastikgewehre, die gleich in diversen Episoden für oben beklagten Slapstick sorgen.
Einen Blick in die Seele der Fans gewährte die anschließende Fragerunde, bei der die drei tourenden Husmann, Herbst und Mädel mehr Antwort als Rede standen.

"Die Würstchen in Finsdorf sahen so eckig aus - waren das Tofuwürstchen? Ich frage, weil ich Veganer bin!" war das Highlight. Naja, nicht ganz. Der Nebensitzer toppte mit seiner Wortmeldung: "Ich bin sogar seit 17 Jahren Veganer!"
"Das tut mir leid!" entgegnete Herbst. "Da verpasst Du das geile Gefühl, mal in einen richtig saftigen Döner zu beißen!" Der anschließende Beifall stellte meinen Glauben an die Menschheit wieder her.
Weitere Fragen betrafen den irgendwann mal angekündigten Kinofilm. Doch den wird es wohl nicht geben, so Autor Husmann, denn die Kosten kämen durch die doch sehr überschaubare Anzahl an Anhängern nicht wieder herein.
Sehr geduldig gaben die drei dann anschließend Autogramme und erfüllten auch die schrägsten Fanwünsche ohne auch nur im Ansatz genervt zu wirken - bei dem unglaublichen Andrang aus zwei gefüllten Kinosälen durchaus zu würdigen. Auch wenn immer wieder motivierende "Lurchi, Lurchi!"-Chöre aufbrandeten.

Das Phänomen "Stromberg" zeigt deutlich, dass Spaß-Formate abseits von Barth, Marzahn und Hubertus Albers funktionieren können, selbst im Privatfernsehen. Ob eine Mainstreamisierung dessen gelänge, steht allerdings in den Sternen.







