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Archiv für October 2011

Das läuft dann auch

Kleine feine Fernsehserien abseits des Mainstreams, aber im Privatfernsehen ausgestrahlt - das muss kein Widerspruch sein. Dank einer breiten Fanbasis hat es Ralf Husmanns deutsche Version von "The Office" inzwischen in die bereits 5. Staffel geschafft. Husmanns Eigenkreationen "Dr. Psycho" und "Der kleine Mann" waren dem "Cobra 11"-abgestumpften Publikum dann zwar zu speziell, aber der Autor schafft es bei seiner Serie "Stromberg" nach wie vor, trockenen Humor ohne Vorschlaghammer ins Unterschichtenfernsehen zu schmuggeln.

Derzeit tourt Husmann mit Christoph Maria Herbst und Bjarne Mädel durch auserlesene Kinos und stellt die ersten vier Folgen der neuen Staffel vor.

Und gleich die erste Episode erinnert an frühere Zeiten, als die Welt in der Capitol-Versicherung noch unter der Inkompetenz Bernd Strombergs litt. Wunderbar. Auch wenn der Humor etwas ans breite Publikum angepasst wurde und sich die Schlagzahl der Slapstick-Sequenzen leider erhöht hat. Aber ohne diese wären die neuen Folgen wohl kaum entstanden, also schluckt man diese Pille, die ohnehin nicht zu bitter ist.

Auffallend: die aufdringlich hohe Screentime der Milchreis-Becher, die nun pandemieartig das komplette Set bevölkern und thematisiert werden ("Hmmm, Erdbeer!") oder die auf myspass.de bestellbaren Schaumstoff-Pömpel-Plastikgewehre, die gleich in diversen Episoden für oben beklagten Slapstick sorgen.

Einen Blick in die Seele der Fans gewährte die anschließende Fragerunde, bei der die drei tourenden Husmann, Herbst und Mädel mehr Antwort als Rede standen.

"Die Würstchen in Finsdorf sahen so eckig aus - waren das Tofuwürstchen? Ich frage, weil ich Veganer bin!" war das Highlight. Naja, nicht ganz. Der Nebensitzer toppte mit seiner Wortmeldung: "Ich bin sogar seit 17 Jahren Veganer!"

"Das tut mir leid!" entgegnete Herbst. "Da verpasst Du das geile Gefühl, mal in einen richtig saftigen Döner zu beißen!" Der anschließende Beifall stellte meinen Glauben an die Menschheit wieder her.

Weitere Fragen betrafen den irgendwann mal angekündigten Kinofilm. Doch den wird es wohl nicht geben, so Autor Husmann, denn die Kosten kämen durch die doch sehr überschaubare Anzahl an Anhängern nicht wieder herein.

Sehr geduldig gaben die drei dann anschließend Autogramme und erfüllten auch die schrägsten Fanwünsche ohne auch nur im Ansatz genervt zu wirken - bei dem unglaublichen Andrang aus zwei gefüllten Kinosälen durchaus zu würdigen. Auch wenn immer wieder motivierende "Lurchi, Lurchi!"-Chöre aufbrandeten.

Das Phänomen "Stromberg" zeigt deutlich, dass Spaß-Formate abseits von Barth, Marzahn und Hubertus Albers funktionieren können, selbst im Privatfernsehen. Ob eine Mainstreamisierung dessen gelänge, steht allerdings in den Sternen.

Logo für Bergweit

Logo, Briefpapier und Visitenkarten für Bergweit IT.

Die beste Einladung der Welt

Die beste Einladung der Welt bekam ich diesen Juli. Ein Programmheft von irgendeinem Journalistenverband, das ich desinteressiert aufschlug und dabei schon Abwurfwinkel und -geschwindigkeit berechnete, mit dem das Hochglanzteil gleich in Richtung Rundablage abgeschossen würde. Doch der Mensch, der seinen eigenen Namen irgendwo liest, hält reflexartig inne - ein Instinkt, der wohl zu Höhlenmenschenzeiten aufkam, um, äh, naja. Dieser uralte Reflex wurde also bei mir ausgelöst, denn da stand deutlich "Alexander Marquardt, jaTELEVISION" unter dem Programmpunkt "FORUM TV: »Hybrid TV – browsergestütztes TV«". Zusammen mit dem Bereichsleiter Medienpolitik von RTL, den Intendanten des BR, einer NDR-Studioleiterin und dem Head of Outgoing Incomes von Google Germany war ich da zu einer Art Diskussionsrunde eingeteilt. Dazu im einleitenden Textabschnitt noch ein wenig Honig für das Schmieren um Mäuler:

"Das Herz des »Süddeutschen Journalistentages« 2011 sind die mit prominenten Medienkolleginnen und -kollegen besetzten Foren. [...] Bei der Besetzung wird daher bewusst
auf den Bekanntheitsfaktor gesetzt.".

Ein paar Tage später kam dann von der Institution noch ein Brief mit einer richtigen Einladung dazu und einem Beiblatt, auf dem schon weit weniger Forenteilnehmer vermerkt waren.

Die Hintergrundgeschichte dazu würde mich ja schon interessieren. Hat da ein findiger Mitarbeiter "Internetfernsehen" gegoogelt und den nächstbesten Eintrag angeklickt und angeschrieben? Kann eigentlich nicht sein, wir haben die Seite schon seit längerem aus dem Suchindex von Google entfernen lassen. Gerade aus dem Grund, dass Besucher, die über Suchmaschinen hereinplatzen, selten Gutes im Schilde führen. Meistens handelt es sich um Personen, die sich selber oder ihre Firma suchen und über die Art unserer Berichterstattung nicht gerade amüsiert sind. Grund genug, nur noch einen erlesenen Nutzerkreis hier zuzulassen.

Wir haben weder Interesse an derartigen Einladungen, noch an Werbeangeboten. Wenn wir uns je entschließen sollten, mit diesem Webauftritt Geld verdienen zu wollen, gibt es einen kostenpflichtigen Zugang und nicht etwa dumme Werbebanner. Wir hassen Werbung und lassen uns den Mund nicht durch sogenannte Partner verbieten. Wir wurden in der Vergangenheit zu diesem Thema nicht nur angeschrieben und angemailt, nein, sogar angerufen.

Wir berichten nicht gegen Bezahlung positiv über irgendeinen neumodischen Krimskrams. Das ist unsere Seite und unsere Meinung ist nicht käuflich erwerblich.

Von Besuchen oder Anrufen bei uns bitten wir also abzusehen. Sollten wir wieder Erwarten irgendwann einen Auftrag nötig haben, suchen wir uns den selber aus.

Wir benötigen auch keine eingehenden Links - weitererzählen genügt völlig. Ein Experiment mit einem Contentfilter (man sollte es besser Besucherfilter nennen) hatten wir vor einem Monat hier gestartet. Personen, die unsere Ansichten verstehen, konnten ihn problemlos passieren, alle anderen verzweifelten an der Hürde. Dies hatte einen drastischen Besucherrückgang zur Folge, sicherte uns aber ein erlesenes Publikum.

Alles, was wir zum Thema zu sagen haben, lieber Journalistenverband, ist somit gesagt und die Diskussionsrunde kann mit Teilnehmern gefüllt werden, die Medientauglicheres beizutragen haben. Danke.